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Autoritär Führen – verpönt und nicht ausgestorben

In der heutigen Arbeitswelt, in welcher ein Mensch nicht mehr alles wissen und können kann, sind Kooperation und Vernetzung wichtig. Das gilt zweifelsohne auch für Führung und die heutigen Führungspersonen.

Dennoch gelingt es Führungspersonen nicht immer, auf eine autoritäre Führung zu verzichten. Es kann sein, dass in bestimmten Situationen ein klarer Entscheid oder eine klare Anweisung der Führungsperson notwendig ist, beispielsweise in einer Not- oder Krisensituation. Von diesen Situationen möchte ich in der Folge nicht sprechen, sondern von den Situationen, in welchen Führungspersonen an ihre Grenzen kommen und daraus autoritär handeln.

Vielleicht ist Ihnen in Ihrem beruflichen Leben, auch schon einmal eine Person begegnet, die sehr autoritär führte oder Sie haben selbst erfahren, dass Sie in bestimmten Situationen durchaus diesen Führungsstil zu Hilfe nahmen.

Blake und Mouton haben bereits in den sechziger Jahren mit ihrem Managerial GRID auf diese Verhaltensweise aufmerksam gemacht und darauf hingewiesen, dass wir in für uns stressigen Situationen durchaus bereit sind auf einen autoritären Führungsstil auszuweichen.

Was löst diesen Stress aus?

Hat es etwas mit dem eigenen Selbstbewusstsein und Selbstverständnis zu tun? Ist die Führungsperson im Umgang mit anderen unsicher? Sind es alte Geschichten, die die jeweilige Führungsperson triggern? Es kann auch sein, dass eine Führungsperson ihre Kompetenz anzweifelt, befürchtet den Job zu verlieren und dadurch alles unter Kontrolle halten will.

Führungspersonen, die autoritär führen, haben sicher einige von diesen Attributen in ihrem Rucksack. Sind sie sich dessen bewusst, wollen sie häufig damit nicht sichtbar werden. D.h. sie verstecken sich hinter einer kontrollierenden, autoritären Führung und wollen dadurch vermitteln, dass sie alles im Griff haben. Schwäche zeigen, über Gefühle sprechen, ist für Menschen wie sie ein absolutes Tabu oder ganz einfach eine Überforderung.

Führungspersonen, welche einen autoritären Führungsstil pflegen, können durchaus als Fachperson überzeugen. Es mangelt hingegen an der emotionalen Kompetenz. Gelingt es einer Führungsperson die eigenen Gefühle und diejenigen des Gegenübers wahrzunehmen, darüber zu sprechen und sorgfältig damit umzugehen, kann sie Vertrauen und eine entspannte Zusammenarbeit aufbauen. Werden Gefühle und Emotionen unterdrückt, bleibt eine distanzierte und abgegrenzte Beziehung zu den Mitarbeitenden.

Was hilft aus dieser Sackgasse heraus?

Nehmen Sie bei sich selbst den Hang zu einer autoritären Führung oder einer Führung mit viel Kontrolle wahr, gibt es ein paar Schritte, die Sie selbst tun können.

  • Sich selbst bewusst werden, dass man diese Züge hat
  • Wahrnehmen und reflektieren, wie sich das Autoritäre zeigt: hat es etwas damit zu tun, Kontrolle ergreifen zu wollen oder ist es eher eine hilflose Aktion und wirkt dadurch autoritär?
  • Akzeptieren, dass möglicherweise das Autoritäre etwas ist, was schützt. Also ein Art Wächter, der Sie vor unangenehmen Erfahrungen oder Gefühlen schützen will. Reflektieren und erforschen Sie, vor was Sie in diesem Moment geschützt werden und was Sie von sich nicht zeigen wollen.
  • Überprüfen Sie, ob Sie diesen Schutz in dieser Form heute noch benötigen oder ob er in früherer Zeit hilfreich war und heute eher hinderlich ist.
  • Erkunden Sie für sich, wie Sie einen nächsten Schritt in der Führung tun können, ohne dass diese autoritäre Figur zu stark wirkt und Ihnen Raum gibt, bezogener führen zu können.

Lernen Sie sich besser kennen und werden Sie sich Ihren Unsicherheiten bewusst. Dies kann ein erster Schritt zu einer Führung mit mehr innerer Sicherheit sein. Selbstführung kommt vor Führung von Mitarbeitenden. Selbstreflexion ist ein wichtiger Schritt dazu.



Selbstreflexion: Wer in sich geht, kann mehr aus sich selbst herausholen.

(Ernst Ferstl)

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Vertrauen – ein wesentliches Element guter Führung

«BRAVING» – 7 Elemente des Vertrauens (nach Brené Brown)

Stellen Sie sich einen Arbeitsplatz vor, wo es überall an Vertrauen fehlt. Die Mitarbeitenden vertrauen einander nicht, die Führungsperson vertraut dem Mitarbeitenden nicht und auch in der Kultur ist der Mangel an Vertrauen mehr als spürbar.

Möglicherweise würden die Aufgaben irgendwie erledigt, jedoch mit grossen Schwierigkeiten und auf bescheidenem Niveau im Vergleich zu einem Arbeitsplatz, an dem Vertrauen vorherrscht.

Eine der wichtigsten Aufgaben einer Führungsperson ist, dafür zu sorgen, dass ein vertrauensvolles Umfeld geschaffen wird. Das Engagement, die Kreativität und die Sicherheit der Mitarbeitenden ist höher, wen ein grosses Mass an Vertrauen vorhanden ist.

Diese 7 Elemente helfen Ihnen, den Begriff Vertrauen im Alltag real werden zu lassen.

1) Boundaries – Grenzen

Die eigenen Grenzen kennen und benennen, damit andere unsere Grenzen verstehen und respektieren können. Ohne Grenzen gibt es kein Vertrauen.

2) Reliability – Zuverlässigkeit

Zuverlässig ist, wer das was er/sie verspricht auch einhält und tut. Das Vertrauen eines anderen kann nicht gewonnen und verdient werden, wenn man nur einmal zuverlässig ist.

3) Accountability – Verantwortlichkeit

Wir vertrauen Menschen, die zu ihren Fehlern stehen, sich entschuldigen und Wiedergutmachung leisten. Aber andere können das nur tun, wenn wir es ihnen erlauben. Wenn wir jemanden sofort abschreiben, wenn er einen Fehler macht, oder nicht mehr mit ihm reden, geben wir ihm keine Chance, seine Verantwortung wahrzunehmen.

4) Vault – Vertraulichkeit / Tresor

Wir können niemandem vertrauen, wenn er/sie unsere persönlichen Daten ohne unsere Erlaubnis an andere weitergibt. Es muss so sein, als lägen diese Informationen in einem Tresor, zu dem nur die Personen Zugang haben, denen wir sie absichtlich mitgeteilt haben. Klatsch und Tratsch wird oftmals als Mittel genutzt, um schnell Intimität mit jemanden zu erlagen. Wir glauben, dass wir eine solide Verbindung haben, wenn wir mit ihnen heimlich über andere reden können. Brown nennt dies «gefälschtes Vertrauen».

5) Integrity – Integrität

Integrität bedeutet, den Mut der Bequemlichkeit vorzuziehen. Es bedeutet, sich für das Richtige zu entscheiden und nicht für das, was Spass macht, schnell oder einfach ist. Integrität ist mehr als nur das Benennen unserer Werte. Es bedeutet, nach unseren Werten zu leben. Wenn wir mit Integrität leben, schaffen wir nicht nur Vertrauen bei anderen, sondern auch bei uns selbst.

6) Non-Judgement – Nicht-Urteilen / Nicht-Verurteilen

Bei der Nichtbeurteilung geht es darum, jemandem gegenüber verletzlich zu sein, ohne von ihm beurteilt zu werden, während er verletzlich sein kann, ohne von uns beurteilt zu werden. Das anspruchsvolle ist, dass wir in der Regel besser darin sind, Hilfe zu geben, als um Hilfe zu bitten.

Wir denken, dass wir vertrauensvolle Beziehungen zu Menschen aufgebaut haben, die uns wirklich vertrauen, weil wir immer da sind, um zu helfen. Wenn du selbst nicht um Hilfe bitten kannst und diese nicht erwidert wird, ist das keine vertrauensvolle Beziehung.

7) Generosity – Grosszügigkeit

Beziehungen sind nur dann vertrauensvolle Beziehungen, wenn das Gegenüber von meinen Worten, Absichten und Verhaltensweisen das Grosszügigste annehmen kann und sich dann bei mir meldet.

Das könnte so aussehen, dass uns jemand sagt, er/sie sei verletzt, weil wir an einem wichtigen Tag nicht angerufen haben, aber er/sie nimmt an, dass wir es einfach vergessen haben oder beschäftigt waren. Das gibt uns die Möglichkeit, Rechenschaft abzulegen. Und das gilt in beide Richtungen. Es ist wichtig, dass wir auch uns melden und anderen die Möglichkeit geben, Rechenschaft abzulegen. 


Wie sich selbst vertrauen?

Es ist wichtig, dass wir die Komplexität von Vertrauen verstehen und es aufschlüsseln können, damit wir erkennen, warum wir bestimmten Menschen vertrauen und anderen nicht. Anstatt uns dumm oder naiv zu fühlen, weil wir jemandem vertraut haben, der sich als unzuverlässig erwiesen hat, können wir herausfinden, was genau falsch gelaufen ist.

Dies zu wissen kann uns helfen, unser Selbstvertrauen zu stärken. Brown nennt das Beispiel, einen Fehler zu machen. Sie sagt, wir können uns fragen, ob wir unsere Grenzen respektiert haben, ob wir verlässlich waren, ob wir uns selbst zur Rechenschaft gezogen haben und ob wir grosszügig mit uns selbst umgegangen sind.


Vertrauen ist eine Sammlung von kleinen Entscheidungen, die wir jeden Tag treffen.

(Brené Brown)

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4 Schritte, um Empathie zu leben

Empathie ist die Grundlage des menschlichen Zusammenlebens und Zusammenarbeitens.

Wir haben Empathie noch nie so nötig gebraucht wie heute. In unserer turbulenten Welt, in der die Menschen leicht zu spalten sind, brauchen wir Führungspersonen, die sich in Empathie üben und sich bemühen, die Perspektiven der Menschen um sie herum zu verstehen.

Schritt 1: Perspektive einnehmen

Bei der Empathie geht es darum, sich in die Lage eines anderen zu versetzen und zu versuchen, die Dinge aus dessen Perspektive zu sehen. Wenn du dich in Empathie übst, stellst du dir eine Zeit vor, in der du dich ähnlich gefühlt oder eine ähnliche Erfahrung gemacht hast. Wenn du dich verletzlich machst und deine früheren Erfahrungen aufdeckst, kannst du dich besser in die Lage der anderen Person versetzen. 

Schritt 2: Nicht urteilen

Wir alle tappen in die Falle, vorschnelle Urteile über jemanden zu fällen. Nicht zu urteilen bedeutet, einfach zuzuhören, ohne voreilige Schlüsse zu ziehen. Um Empathie zu üben, müssen wir zuhören und verstehen.

Schritt 3: Erkennen von Emotionen, die jemand anderes empfindet

Versuche beim Zuhören zu erkennen, welche Emotion die andere Person empfindet. Ist es Hass, Wut, Frustration, Traurigkeit, Glück oder eine Vielzahl anderer Gefühle? Das Erkennen der Emotion kann dir helfen zu verstehen, was die andere Person fühlt.
 

Schitt 4: Kommuniziere, dass du eine Emotion verstehst

Wenn du die Perspektive und die Emotionen einer anderen Person erkennst und du dich damit identifizieren kannst, lass die Person wissen, dass du sie verstehst. Wenn du dein Verständnis vermittelst, baust du eine Verbindung auf und kannst entsprechend reagieren.
 

Empathie ist der Grundstein für den Aufbau starker Beziehungen

Wir alle müssen uns zu Hause und am Arbeitsplatz in Empathie üben. Diese vier Schritte helfen uns dabei.


«Empathie fördert die Verbindung, während Sympathie die Trennung fördert.»

(Brené Brown)

Quelle: Brené Brown

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Empathie und Führung

Die Rolle und das Bild von Führungspersonen wandeln sich und das nicht erst seit oder durch Homeoffice, Digitalisierungen, Agilität oder anderen Zeiterscheinungen.
 
Mehr und mehr wird für mich sicht- und wahrnehmbar, dass Mitarbeitende und Führungspersonen in einer anderen Form zusammenarbeiten wollen und eine neue Art des Miteinanders suchen, die menschlicher und wertschätzender ist. Das «alte» Modell, in dem die Führungspersonen die Verantwortung tragen und die Mitarbeitenden ihren Job machen, wird abgelöst von einem Modell, welches die Talente und Potentiale aller, d.h. Führungspersonen und Mitarbeitenden und je nachdem auch von Kunden, einbezieht. Gemeinsam werden die Ideen entwickelt, die Aufgaben und Herausforderungen gestaltet und angepackt.
 
Einfühlungsvermögen oder Empathie sind eine Fähigkeit, damit die menschliche und wertschätzende Basis für eine neue Art der Zusammenarbeit gelingen kann.

Was ist Empathie?

Wikipedia beschreibt Empathie als die Fähigkeit und Bereitschaft, Empfindungen, Emotionen, Gedanken, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen, zu verstehen und nachzuempfinden. Was nach Wikipedia ebenfalls zu Empathie gehört, ist die Fähigkeit zu angemessenen Reaktionen auf Gefühle anderer Menschen.
 
Diese Beschreibung gefällt mir, weil es bei der Empathie nicht nur auf die Fähigkeit ankommt, sondern auch auf die Bereitschaft. D.h. dass es darum geht, nicht nur auf die Gefühle angemessen zu reagieren, sondern auch auf den oder die andere einzugehen und damit in die Beziehung «Führungsperson – Mitarbeitende» eine sehr menschliche Seite einzubringen.
 
Oft wird Empathie mit Sympathie oder Mitleid gleichgesetzt. Empathie ist jedoch damit nicht zu verwechseln. Empathie meint eine Offenheit gegenüber der Person ohne vorgefasste Meinung oder Beurteilung. Empathie kann soweit gehen, dass mir der andere Mensch nicht einmal sympathisch sein muss. Als Mitmensch kann ich mich empathisch in seine Sichtweise einfühlen und versuchen, diese zu verstehen.

Voraussetzung für Empathie

Die wichtigste Grundlage, um anderen empathisch begegnen zu können, ist eine grosse Portion Selbstwahrnehmung. Je offener ein Mensch für seine eigenen Emotionen ist, desto besser gelingt es auch, sich in die Gefühle eines anderen Menschen einzufühlen.
 
Oder wie Mohsin Hamid (pakistanischer Schriftsteller) sagt: Empathie heisst, Echo einer anderen Person in sich selbst zu finden.

Was Empathie nicht ist?

Möglicherweise gibt es auch für Sie immer wieder Situationen, in denen Sie nicht so empathisch sind, wie es die Situation erfordert. Mir ist dies auf jeden Fall schon passiert und ich habe Ratschläge gegeben oder etwas relativiert.
 
Was besser nicht gesagt werden soll:

  • Belehrungen «beim nächsten Mal, weisst du, dass …»
  • Ratschläge «sprich doch mit XY, wie er die Situation bewältigt hat»
  • Erklären «X und Y gehören untrennbar zusammen…»
  • Geschichten erzählen «Das erinnert mich an eine Situation aus meinem Leben vor zehn Jahren…»
  • Trösten «das wird schon wieder…»
  • Widersprechen «jetzt übertreib es mal nicht…»
  • Verbessern «sei nicht traurig, das ist nicht so schlimm…»

Was bringt Empathie?

Empathie bringt nicht nur menschlichere Beziehungen, sondern hilft Stress zu reduzieren. Studien zufolge können Menschen mit einer gut entwickelten Empathie wesentlich besser mit Stress umgehen. Negative Emotionen anderer Menschen werfen sie nicht völlig aus der Bahn. Mehr noch: ein entspanntes Zusammenarbeiten und entspanntere Beziehungen erzeugen Gefühle der Zufriedenheit oder sogar des Glücks und diese helfen allen Beteiligten, sich wertgeschätzter zu fühlen und die Zusammenarbeit zu geniessen.
 
Begegnen Sie Ihren Mitarbeitenden mit Empathie fühlen sich die Mitarbeitenden auch wertgeschätzt. Gelingt es Ihnen, auf jede und jeden Ihrer Mitarbeitenden einzugehen und ein Gespür für die einzelnen Menschen zu entwickeln, können Sie beim Delegieren von Aufgaben oder in der Kommunikation noch spezifischer die Talente, das Können und die Eigenheiten des Einzelnen berücksichtigen.

Führen auf Augenhöhe und mit Respekt gelingt nur mit Empathie!

Empathie ist lernbar

Sie haben Lust und Interesse Ihre Empathie zu steigern? Diese Tipps können helfen:

Unvoreingenommenheit – um empathisch zu sein, braucht es eine vorurteilsfreie Haltung. Haben Sie bereits eine vorgefasste Meinung der Person oder der Situation gegenüber, ist es schwierig, die Perspektive des anderen kennen zu lernen. Werfen Sie Ihre vorgefasste Meinung über Board und lassen Sie sich auf das Gegenüber und die Situation ein – immer wieder neu.

Interesse – zeigen Sie echtes Interesse am anderen Menschen, seiner Situation und seiner Perspektive. Sie wollen Ihrem Mitarbeiter oder Ihrer Mitarbeiterin unvoreingenommen zuhören?  Das geht nur mit Interesse. Nur so können Sie wertvolle Hinweise erhalten, die für den Aufbau und die Pflege der Beziehungen zu Ihren Mitarbeitenden hilfreich sind.

Fragen, nachfragen – Fragen, um zu verstehen, ist einer der wichtigsten Aspekte empathisch mit anderen umgehen zu können. Vorgefasste Meinungen oder Eindrücke können nur durch nachfragen als das erkannt werden, was sie sind.

Verständnis – Haben Sie schon einmal das Gefühl gehabt, von einer anderen Person so richtig verstanden zu werden? Möglicherweise war Ihnen diese Person nachher noch sympathischer als bisher oder sie fühlten sich mit dieser Person verbundener. Gelingt es Ihnen Ihrem Gegenüber mit einer echten und offenen Haltung sagen zu können «das kann ich gut nachvollziehen» oder «ich kann Ihre Sicht gut verstehen» erzeugen Sie ein Gefühl von Verbundenheit. Auf der Basis dieses Gefühls sind Lösungen und nächste Schritte häufig einfacher zu gehen.   

Als empathische Führungskraft gelingt Ihnen etwas wunderbares: Sie ermöglichen Ihren Mitarbeitenden in ihre eigene Grösse zu kommen und zu wachsen.


Empathie ermöglicht es uns, die Kluft zwischen unserer Sicht der Dinge und der Art und Weise, wie andere es erleben, zu überbrücken.

(Tanveer Naseer)

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Wie gut sind Sie im Zuhören?

Ob am Arbeitsplatz, zu Hause, in der Schule, in privaten Beziehungen überall werden Gespräche geführt. Wir argumentieren, ringen, debattieren, streiten mit viel Einsatz und Kraft und versuchen unsere Sicht einzubringen, die anderen für unsere Perspektive zu gewinnen oder uns durchzusetzen. Aus Erfahrung ist der Erfolg solcher Gespräche nicht immer nachhaltig und die gleichen Themen tauchen immer wieder auf.
 
Was in diesen Gesprächen häufig fehlt, ist die Bereitschaft des wirklichen und echten Zuhörens. Wir hören zwar zu, doch parallel läuft bereits ein innerer Prozess, um danach unser Gegenargument einbringen oder antworten zu können.
 
Wie hören wir zu? Und selbst und anderen? Zuhören – echtes Zuhören – ist etwas, was uns oft nicht leichtfällt oder wir auch nur selten wirklich können. Echtes Zuhören ist eine Königsdisziplin oder eine Königinnen-Disziplin und wirklich angewendet, ein Geschenk für uns und andere.

Echtes, achtsames Zuhören findet auf mehreren Ebenen statt

Interpersonelle Ebene: Es ist die Ebene, auf der ein Mensch in sein eigenes inneres Erleben hineinhört.

Zwischenmenschliche Ebene: Auf dieser Ebene ist eine Person darauf konzentriert, einer oder mehreren anderen Personen zuzuhören. Wir sind all zu oft damit beschäftigt, darüber nachzudenken, war wir sagen werden, wenn wir an der Reihe sind zu sprechen. Es ist jedoch die Art und Weise, wie wir zuhören, die transformativ wirken kann.

Gruppenebene: Auf Gruppenebene hören eine oder mehrere Personen tief auf die Stimmen vieler anderer.

Aufmerksam sein und beobachten sind Schritte zu echtem und achtsamen Zuhören.

Schlüsselelemente

Anwesend sein: Ihr Fokus liegt auf der Person, ohne Ablenkungen

  • Störungen beseitigen (Geräte stumm schalten, Arbeitsbereich geordnet halten)
  • sich Zeit nehmen für ein Gespräch und auch für die Vorbereitung auf ein Gespräch. Bewusst 1 – 2 Minuten, um die eigenen Gedanken zu ordnen, sind gut investiert.

Empathie: Wir sehen die Welt durch unsere Erfahrungen und Überzeugungen. Empathisch sein heisst: eine Situation aus der Perspektive eines anderen wahrnehmen.

Achte auf deine «Signale»: Signale sind eigene Gedanken, physische Reaktionen, Gefühle, die Sie während dem Gespräch wahrnehmen. Diese können ablenken, Ideen blockieren, Lösungen verhindern. Nehmen Sie diese wahr, allenfalls halten Sie im Gespräch einen Moment inne, verlangsamen das Gespräch und gehen den Signalen nach.

Je nach Gespräch können Sie auch sagen: «Ich hänge noch an Ihrer Aussage zu … nach. Können wir darauf zurückkommen. Ich habe noch nicht verstanden, wie Sie das meinen.»

Vorteile des echten und achtsamen Zuhörens

  • Echtes Zuhören ruft Präsenz hervor, die manche als tieferes Zuhören, als Offenheit jenseits der eigenen Vorurteile definieren.
  • Echtes Zuhören ermöglicht es Ihnen, sich ohne Vorannahmen und Vorurteile zu engagieren.
  • Schafft Vertrauen, indem Sie das was andere sagen, wertschätzen und ernst nehmen.
  • Kultiviert echte Verbindungen und Beziehungen mit anderen – die Qualität der Aufmerksamkeit beeinflusst die Qualität des Gesprächs.
  • Hilft zu klären, was wirklich vor sich geht, dass das was unter der Oberfläche blubbert zum Vorschein kommen darf.

 

«Menschen wollen, dass Sie ihre Motivation und die Erklärung für ihr Verhalten in ihren eigenen Begriffen verstehen. Das Schaffen alternativer Interpretationen, das Hören auf das, was sich hinter den Worten verbirgt, ist von Natur aus provokant und notwendig, wenn Sie die wirklichen Probleme, Ängste und Konflikte ansprechen wollen.» (Ronald Heifetz, Leadership on the Line).

Anwenden und Üben

Gruppenebene

Eine Übung für echtes Zuhören auf der Ebene der Gruppe beinhaltet das Hören auf Muster und Themen und die Synthese dessen, was Sie hören. Hören Sie auf das, was auch noch im Raum ist und noch nicht ausgesprochen wurde

Individuelle Ebene

In meiner Coaching-Praxis begegne ich immer wieder Führungspersonen, die gerne sprechen, sich mitteilen wollen, kaum zum Unterbrechen sind. Das mag zu Beginn sehr interessant sein. Stellt sich dies jedoch als die Kommunikationsart heraus, die diese Führungsperson auch im Alltag pflegt, stellt sich mir die Frage wer wem noch zuhört?

Eine Übung für wirkliches Zuhören auf der individuellen Ebene ist, auf das zu hören, was in der Person, also in mir selbst, lebendig ist und noch nicht ausgesprochen wurde. Was sind die tieferen Nöte, Wünsche, Gefühle, Emotionen, Sehnsüchte, Bedürfnisse, Ängste, Befürchtungen von mir selbst? Was drücke ich möglicherweise aus ohne dass es mir bewusst ist? Welche Signale sende ich? Und wie oft höre ich mir wirklich und echt zu?

Ich glaube daran, dass das grösste Geschenk, das ich von jemandem empfangen kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden.
Das grösste Geschenk, das ich geben kann, ist, den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren.
Wenn dies geschieht, entsteht Beziehung.

(Virginia Satir)
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Am Anfang von Führung steht Selbstführung

Vor bald dreissig Jahren beim Gestalten der Führungsausbildungen stand für uns die Selbstführung am Anfang. Uns war damals wichtig, dass Menschen, die andere Menschen führen wollen, über eine Portion Selbstkenntnisse verfügen müssten. In der Zwischenzeit hat sich viel entwickelt und für Führungspersonen, die wirkungsvoll sein wollen, reicht eine Portion Selbstkenntnis nicht mehr. Es braucht vertiefte Selbstreflexion und Bewusstheit über die eigenen Handlungsmotive.

Wirkung von Selbstführung in der Führungsarbeit

Führungspersonen, deren Augenmerk entweder bei den Mitarbeitenden oder bei den Sachaufgaben liegt, vergessen dabei oft, dass auch sie selbst Teil des Felds sind und dieses bewusst oder unbewusst beeinflussen.
 
Ein Beispiel aus dem Führungsalltag:
Mitarbeiter X präsentiert etwas und Sie schauen, kaum hat er begonnen, auf die Uhr und sagen «brauchst du noch lange…». Ihnen geht das detaillierte Gestotter des Mitarbeiters auf die Nerven und sie mögen gar nicht zuhören, drehen an Ihrem Schreibstift und hoffen, dass er bald fertig ist. Ihre Ungeduld steigt.


Haben Sie sich schon einmal überlegt, ob ein winziger Teil dieser Situation mit Ihnen zu tun hat? Mit Ihren Erfahrungen, Erlebnissen, Ihrer Haltung, Ihren eigenen Bildern und Gefühlen? Wohl eher nicht… oder doch?

Kennen Sie sich selbst gut und haben sich vielleicht selbst schon einmal in einer ähnlichen Situation befunden, stehen Ihnen Ressourcen und Strategien zur Verfügung, mit Ihrem Unmut und Ärger umzugehen und anders als bisher zu reagieren. Sie können allenfalls sogar für einen Teil des Mitarbeiters Empathie entwickeln und kommen aus der persönlichen Ärger-Schlaufe heraus. Als selbstreflektierter Mensch mit einer guten Portion Selbstführung haben Sie die bewusste Wahl, wie Sie in dieser Situation reagieren wollen. Selbstreflexion und Selbstkenntnisse sind die Basis, als Führungsperson wirksam zu sein. Oder anders gesagt: Sie sind am Steuer und nicht nur Passagier.Scham ist an sich ein natürliches Gefühl, wie Liebe Wut oder Trauer. Wer sich schämt, empfindet etwas das man sieht oder hört als unangemessen. Scham ist eine Emotion, die wir empfinden, wenn wir das Gefühl haben, dass wir ungenügend sind.
Wer sich schämt, erfährt körperliche Reaktionen, wie erröten, schwitzen, Herzrasen, stottern, Schwindel, Muskelverspannungen usw.

Selbstführung und was dazugehört

Selbstführung erfordert immer wieder die ehrliche Auseinandersetzung mit sich selbst, den eigenen Handlungsmustern und Antreibern. Man könnte sagen, die Auseinandersetzung mit den eigenen Sonnen- und Schattenseiten.

All zu oft lassen sich Menschen, vor allem wenn sie unter Druck stehen, frustriert oder gestresst sind, von ihren Emotionen leiten. Das «Ego-Programm» beginnt zu laufen und die Auswirkungen können dazu führen, dass beispielsweise eine Führungsperson aus der Rolle fällt und inadäquat zur Rolle reagiert. Das Geschirr ist zerschlagen und der Schaden kann gross sein.

Selbstreflexion und Selbstführung brauchen Zeit und immer wieder die Neugier, sich selbst besser kennen lernen zu wollen.

Menschen mit der Fähigkeit sich selbst zu führen, übernehmen Verantwortung für das eigene Handeln. Für Führungspersonen bedeutet dies, sich verbindlich, berechenbar, klar, zuverlässig im Tun, Handeln und in der Beziehung zu zeigen. Schuldzuweisungen sind für diese Menschen fremd. Menschen mit einer hohen Kompetenz in Selbstführung verfügen häufig über eine innere Stabilität und Stärke, welche eine offene Kultur des Vertrauens und Miteinanders fördert. Eine wertschätzende Haltung und eine Kommunikation auf Augenhöhe verhelfen auch schwierigen und kritischen Gesprächen zu einer konstruktiven Qualität ohne verletzende oder abwertende Absichten.

Mit wohlwollendem Forschen die eigene Selbstführung stärken

Fragen können helfen, Situationen und Erlebnisse aus der eigenen Sicht wie auch aus der Sicht des Gegenübers zu erforschen. Hilfreich können Fragen wie diese sein:

  • Wie geht es mir / fühle ich mich in dieser Situation / mit dieser Aufgabe / mit dieser Person?
  • Aus welchem Grund handle ich, wie ich handle?
  • Wenn ich nichts ändere, wohin führt es mich (normalerweise) dieses Gefühl?
  • Was müsste anders sein, damit ich mich besser / sicherer / kompetenter fühle?
  • Welche Unterstützung brauche ich selbst in dieser Situation? Wie kann ich sie mir geben?
  • Welche braucht möglicherweise mein Gegenüber?
  • Ermutige ich oder erzeuge ich Angst und Stress bei meinem Gegenüber?
  • Fördere ich Kooperation oder schüre ich Abgrenzung?
  • Wie gelingt es mir Freude und Kreativität am gemeinsamen Wirken zu ermöglichen? Oder verhindere ich dies und verursache Missmut?

Seien Sie bei Ihrem Erforschen liebevoll mit sich selbst. Der liebevolle Umgang mit sich selbst, steht Ihnen zu. 

Alles was uns an anderen missfällt, kann uns zu besserer Selbsterkenntnis führen.

(C.G. Jung)